
ProLogic – Brand Identitiy für Fensterbau
2015 entwickelte ich das erste Corporate Design für ProLogic, einen führenden Hersteller von Fensterbau-Software. In einem Jahr entstand ein modulares Design-System, das heute noch Bestand hat und die professionelle Positionierung des Unternehmens nachhaltig stärkte.Ein Marktführer ohne visuelle Identität
ProLogic Computer GmbH gehört seit 1985 zu den führenden Herstellern von Software für die Fenster- und Türproduktion in Europa. Mit rund 40 Mitarbeiter:innen und europaweit agierenden Kunden positioniert sich das Unternehmen als ganzheitlicher Integrationspartner mit modularer Software.
Ein technologisch führendes Unternehmen, das komplexe ERP-Systeme für die Steuerung von CNC-Maschinen und Produktionsprozesse entwickelt, hatte kein Corporate Design. Die gesamte Unternehmenskommunikation wurde seit der Gründung ad hoc erstellt. Das Ergebnis: Ein Logo (Arial-Schriftzug), eine Farbe (Grün), keine Konsistenz.
Die doppelte Herausforderung
Die Fensterbau-Branche ist geprägt von hochkomplexen Prozessketten. Software-Anbieter in diesem Umfeld kommunizieren mit einem fragmentierten Markt – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum Maschinenbauer. Professionelles Auftreten ist Voraussetzung, um in diesem Wettbewerb als vertrauenswürdiger Partner wahrgenommen zu werden.
Die zentrale Aufgabe war zweifach: Ein modernes, konsistentes Design-System entwickeln und gleichzeitig eine Design-Kultur in einem Unternehmen aufbauen, das bisher seinen Fokus vollständig auf technologische Entwicklung gelegt hatte.
Logo & Bildmarke
Überarbeitung des Schriftzugs und entwicklung einer eigenständigen Bildmarke, die die Positionierung als innovativer Software-Anbieter unterstützt.

Farb-System als Leitsystem
Grün blieb als Unternehmensfarbe bestehen. Zusätzlich erhielt jedes Software-Produkt eine eigene Farbwelt, die bei Messen und im Vertrieb schnelles Navigieren ermöglicht.

Typografie & Bildwelten
Arial wurde durch Roboto ersetzt. Eine Schrift, die Modernität und technische Kompetenz kommuniziert.

Grid-System
Das modulare Grid-System schafft Konsistenz über alle Touchpoints und beschleunigt die Erstellung von Marketing-Material.

Interaktive Brand Guideline
Der für alle Mitarbeiter:innen zugängliche Brand Design Guide bildet die Single-Source of Truth.

Strategischer Ansatz: Erst machen, dann überzeugen
Ich kam als Freelancer zu ProLogic – nicht mit einem Briefing, sondern mit einer Hypothese: Ein konsistentes Design-System würde nicht nur das Erscheinungsbild modernisieren, sondern die Organisation grundlegend entlasten und professionalisieren.
Ich entwickelte erst eine vollständige Version des Corporate Designs und pitchte diese der Geschäftsführung. Der Fokus lag dabei nicht auf ästhetischen Argumenten, sondern auf messbarem Mehrwert: Wie viel Zeit spart ein vorgefertigtes System? Wie wirkt sich professionelle Gestaltung auf die Kundenwahrnehmung aus? Wie kann ein konsistentes System die Erstellung von Marketing-Material vereinfachen?
Project Scope (1 Jahr):
- Logo-Redesign und Entwicklung einer eigenständigen Bildmarke
- Definition eines modularen Design-Systems mit Styleguide
- Erstellung von Geschäftsausstattung, Unternehmens-Website und Messestand
- Design von Kommunikationsmaterial und Produktbroschüren

Transformation: Widerstände überwinden durch Zugänglichkeit
Die größte Herausforderung war nicht gestalterisch, sondern organisational. In einem Unternehmen, das seinen Fokus seit Jahrzehnten auf technologische Exzellenz gelegt hatte, musste der Wert von Design erst etabliert werden.
Die Lösung: Befähigung statt Abhängigkeit
Statt abstrakt über Design-Prinzipien zu sprechen, zeigte ich konkrete Anwendungen und deren Wirkung. Entscheidend war die interaktive Web-Dokumentation: Ein vollständiges Brand Design System, das Logo-Regeln, Farbsystem, Typografie, Icons, Bildwelten und Grid-System für alle Mitarbeiter:innen zugänglich macht.
Das Ergebnis sollte nicht abhängig von mir machen, sondern die Organisation befähigen, selbstständig professionelles Material zu erstellen. Die Dokumentation war so aufgebaut, dass auch Personen ohne Design-Hintergrund damit arbeiten konnten.
Akzeptanz durch Entlastung
Der Durchbruch gelang, als verschiedene Personen in unterschiedlichen Abteilungen erkannten, dass das Design-System sie entlastete statt zusätzlichen Aufwand zu verursachen. Vertrieb, Entwicklung und Geschäftsführung konnten sich auf ihre Kernkompetenzen fokussieren, während professionelle Kommunikationsmaterialien aus dem System heraus entstanden. Diese frühen Unterstützer:innen wurden zu Multiplikator:innen in der Organisation und machten den Wert der Arbeit für andere sichtbar.
Bewusste Scope-Entscheidung
Die Überarbeitung der User Experience der in die Jahre gekommenen Software hätte sicherlich den höchsten Impact gehabt. Aber technische Basis und die limitierten Entwicklungskapazitäten im einjährigen Projektrahmen reichten dafür nicht aus. Eine bewusste Scope-Entscheidung: Lieber ein nachhaltiges Fundament für Print und Web, als ein überfordertes Projekt ohne langfristige Implementierung.



11 Jahre später: Das System trägt
Das Corporate Design wird heute noch aktiv genutzt – 11 Jahre später. Bildwelten wurden modernisiert, aber das System aus Logo, Farbwelten und Grid ist bis heute Bestand.
Andere Designer:innen und interne Mitarbeiter:innen setzen auf den definierten Styleguide auf und erstellen eigenständig professionelles Material für Messen, Kommunikation und Vertrieb.
Erreichte Ziele
- Modernisierung erreicht: Zeitgemäßes, professionelles Erscheinungsbild als europäischer Marktführer
- Konsistenz etabliert: Wiedererkennbares System über alle Touchpoints, das Navigation erleichtert
- Design-Kultur verankert: Bewusstsein für den Wert von Design im Unternehmen geschaffen
- Langfristige Wirkung: Nachhaltiges Fundament, das über ein Jahrzehnt trägt und unabhängig funktioniert
- Operative Entlastung: Mitarbeiter:innen können sich auf Kerngeschäft konzentrieren statt Material ad-hoc zu erstellen
Der Vertrieb nahm das neue Corporate Design besonders positiv an. Endlich existierte ein einheitliches, professionelles Material, das den Auftritt in Kundenterminen stärkte und die Position als einer der europäischen Marktführer unterstreicht.
Was erfolgreiche Design-Transformation ausmacht
Nachhaltigkeit schlägt Perfektion. Ein pragmatisches, umsetzbares System, das Mitarbeiter:innen befähigt, ist wertvoller als ein perfektes Design, das nur von Expert:innen genutzt werden kann.
Fachliche Führung übernehmen. Als Designer:in sollte ich fachliche Entscheidungen selbst treffen und dafür Verantwortung übernehmen – nicht reaktiv auf Briefings warten, sondern proaktiv Lösungen entwickeln und deren Wert demonstrieren.
Design-Kultur entsteht durch konkrete Demonstration von Impact, nicht durch Briefings. Transformation braucht interne Unterstützer:innen, die den Wert erkennen und weitertragen. Ohne sie ist organisationaler Wandel nicht durchsetzbar.
Diese Prinzipien wende ich heute bei der Implementierung von Product Operating Models an: Viel mit Menschen im Unternehmen reden und den Wert der Arbeit klar machen. Nicht theoretisch argumentieren, sondern konkret zeigen. Nicht abhängig machen, sondern befähigen.