Produktentwicklung, Hard- & Software Prototyping, UI/UX Design

Rideler – Smarte Lenkerenden

Mit der zunehmenden Zahl an Radfahrer*Innen steigt auch deren Unfallrisiko. Rideler ist ein Projekt, das diesem Trend mithilfe der Sensoren aus dem Smartphone und einer Community entgegenwirkt. Der entstandene Prototyp ist eine Kombination aus Hardware (Smarte Lenkerenden) in Verbindung mit einer App.

Das Projekt entstand im Kurs »Sensorik« unter Betreung von Prof. Erich Schöls im 3. Semester.

Vorgabe es Kurses »Sensorik« im 3. Semester war es, ein Projekt mithilfe von Sensoren in Kombination mit Arduino umzusetzen. Thematische Einschränkungen gab es keine. Für die Projektarbeit beschäftigte ich mich mit den Problemen der innerstädtischen Mobilität, insbesondere der Sicherheit von Radfahrer*Innen.

Statistik zu Fahrradunfällen mit Todesfolge in Berlin zwischen 2008 und 2014.Fahrradunfälle mit Todesfolge in Berlin zwischen 2008 und 2014. Quelle: ADFC (Besucht am 03.01.2020)
»Wie kann mithilfe von Sensorik bzw. des Internetzugangs des Smartphones die Sicherheit von Radfahrer*Innen im Straßenverkehr erhöht werden?«

Mittlerweile hat es sich etabliert, das Smartphone am Fahrradlenker zu montieren, um beispielsweise die Navigations-App während der Fahrt zu nutzen. Zwar bietet das Smartphone Zugriff auf jede während der Fahrt benötigte Information, es verlangt aber auch nach Aufmerksamkeit und stellt Information ungefiltert dar. Das Problem bei der Montage des Smartphones am Lenker liegt vor allem in der Art und Weise, wie relevante Informationen zugänglich gemacht werden. Es sorgt für Ablenkung und ist alles andere als ein Unfallvermeider.

Ausgehend von diesen Überlegungen entstand die Idee von smarten Lenkerenden als Alternative zum Smartphone am Lenker. Sie dienen als Interface und Informationsfilter während der Fahrt. Über LEDs in den Enden werden Radfahrer*Innen über relevante Informationen informiert. Über eine Companion-App werden relevante Informationen aggregiert, um sie anschließend an die Lenkerenden zu übertragen.

  • Die Informationsübermittlung per Licht im peripheren Blickfeld des Fahrers ist dezent und kann leicht ignoriert werden.
  • Durch das Wegnehmen von Funktionalität (Eingabe) bzw. Information (z. B. Push-Notifications) reduziert sich die Ablenkung während der Fahrt.
  • Die Sichtbarkeit von Radfahrer*Innen wird durch die nach außen strahlenden Lenkerenden erhöht (selbst-strahlende Katzenaugen), was zur Vermeidung von Abbiege-Unfällen beiträgt.
  • Durch rechtzeitige Warnungen auf Basis der GPS-Position vor etwaigen Gefahrenstellen können sich Radfahrer*Innen auf kommende Gefahrenstellen einstellen und die Fahrweise entsprechend anpassen.
  • Die Navigation durch die LEDs der Lenkerenden dient zugleich als Abbiege-Indikator und unterstützt bei schlechten Lichtverhältnissen das Handzeichen.
  • Im Falle eines Diebstahls kann das Bluetooth-Modul der Lenkerenden genutzt werden, um das Fahrrad mit Hilfe der Community zu orten.

Der Hardware-Prototyp

Die Aufgabe der Lenkerenden beschränkt sich auf die Darstellung relevanter Informationen. Hierfür musste eine Möglichkeit gefunden werden, über Licht verschiedene Informationen und deren Wichtigkeit zu vermitteln. Anhand von qualitativen Tests wurde die Wirkung der LEDs analysiert und ein Muster entwickelt, mit dessen Hilfe die Relevanz von Informationen priorisiert werden konnte. So erscheint ein Hinweis auf ein Schlagloch beispielsweise weniger wichtig als der Hinweis auf eine unübersichtliche Kreuzung.

Möglich wird die Übermittlung der Informationen über in den Lenkerenden verbauten LEDs, die an ein Arduino-Board mit Bluetooth Funktionalität angeschlossen sind.

Die neue Version ist kleiner und verfügt über umlaufende LED-Ringe.
Während des Projekts entstanden zwei Hardware Prototypen.
Während des Projekts entstanden zwei Hardware Prototypen.

Die Companion-App

Hauptaufgabe der App ist es, relevante Informationen zu aggregieren und per Bluetooth an die Lenkerenden zu übermitteln. Während der Fahrt dient die App ausschließlich als Datenquelle. Umgesetzt wurde die App als native Android App. Mit dem App-Prototyp war es möglich, Informationen ortsbezogen anhand der GPS-Position des Smartphones darzustellen und neue Orte zu markieren. Ein Simulationsmodus ermöglichte es zudem, ein vorgefertigtes Szenario zu durchlaufen, um das Konzept auf Messen vorzuführen.

Rideler App DesignDie Companion-App wurde nativ in Android umgesetzt und ist voll funktionsfähig.

Der Community-Gedanke

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Konzepts ist eine funktionierende Community aus Menschen, die ein gemeinsames Interesse verbindet: Radfahren.
Grundfunktion der Rideler-App ist die Möglichkeit, bestimmte Orte mit der gesamten Community oder einzelnen Personen zu teilen. Somit wird eine essenzielle Funktion, das Hinweisen auf Gefahrenstellen des Konzepts überhaupt erst möglich. Es bietet allerdings auch viele andere nützliche Infos: Wo kann ich mein Fahrrad sicher abstellen? Wo befindet sich die nächste Werkstatt? ...

Sobald man sich einem Ort nähert, bekommen FahrerInnen eine entsprechende Benachrichtigung auf den Lenkerenden angezeigt. Bei Gefahrenstellen ist diese Benachrichtigung besonders prägnant und wird vom Vibrationsmotor des Smartphones unterstützt.

Ein Blick zurück

Der in nur vier Monaten entstandene Proof of Concept konnte auf diversen Ausstellungen überzeugen. Viele der thematisierten Punkte des Konzepts haben sich mittlerweile am Markt etabliert. Eine ganzheitliche Lösung, wie es Rideler vorsieht, ist mir bis jetzt noch nicht bekannt. Dabei ist die Relevanz, auch durch den Fahrrad-Boom 2020, immer noch sehr hoch.

Ausgehend vom ersten Proof of Concept kann sich das Konzept von Rideler in verschiedene Richtungen entwickeln. So können das System beispielsweise Fahrradkuriere nutzen und in ihre Organisationsstruktur integrieren. Es können Kooperationen mit Städten entstehen, die Gefahrenstellen auf Basis ihrer Verkehrsdaten in das Rideler Systemen integrieren, uvm. Was fehlt, ist ein Team, das dieses Konzept gezielt vorantreibt.